*

Ansätze für die Gewinnung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern



Mitarbeit muss vorgelebt werden,
sie entsteht nicht aus sich selbst.
Kinder in Kindergruppen erleben, wie Jugendliche, Junge Erwachsene und Erwachsene sich als Mitarbeiter einbringen.
Jugendliche erleben, wie Gleichaltrige Verantwortung übernehmen und Gemeinde aktiv gestalten.
Eine wesentliche Grundvoraussetzung für Mitarbeiterschaft ist, dass Mitarbeit vorgelebt werden muss.
Dort, wo "nur" Hauptamtliche und Pfarrer/innen die Gruppenarbeit leiten, erleben Kinder und Jugendliche kein ehrenamtliches Engagement.
Sie sehen die Arbeit der Hauptamtlichen als selbstverständliche Dienstleistung an (für die sie, oder zumindest ihre Eltern ja zahlen).
Sie erleben nicht, was es heißt, aktiv mitzuarbeiten. Sie erleben nicht, was es bedeutet, als Mitarbeiter wertgeschätzt zu werden. Sie erleben nicht, wie es ist, als Mitarbeiter einen besonderen Status inne zu haben (mit all seiner Wirkung).

Wir müssen unsere gemeindlichen Strukturen dahingehend verändern,
dass Raum für ehrenamtliche Mitarbeiterschaft geschaffen wird.
Die Hauptamtlichen dürfen nicht mehr die Rolle des Alleinunterhalters prägen, der für seine Arbeit bezahlt wird, sondern sie müssen zu Anleitern und Begleitern für die ehrenamtlichen Mitarbeiter werden. Hauptaufgabe eines Hauptamtlichen muss die Zurüstung, Weiterbildung und Begleitung ehrenamtlicher Mitarbeiter sein.

Dieser Rollenwandel der Hauptamtlichen
muss von der ganzen Gemeinde mitgetragen und unterstützt werden.
Hauptamtliche kosten eine Menge Geld und die Gemeinden tun gut daran, dieses Geld gut zu investieren.
Hauptliche, die Ehrenamtliche ausbilden und zu aktivem Gemeindedienst motivieren, sind Multiplikatoren. Sie arbeiten nicht nur für das Geld der Gemeinde, sie vermehren und legen es zinsbringend in der Gemeinde an. (Gleichnis vom anvertrauten Geld - Matth. 25,14ff)                       (Ulrich Bohlken, 21.05.2002)

 


Alle Glieder einer Gemeinde haben ihren Platz (Sinn und Funktion, Gaben und Aufgaben). Alle Christen sind einbezogen in ein Beziehungsgeflecht (dienen und sich dienen lassen). Damit dies keine graue Theorie bleibt, suchen wir Ansätze für die Mitarbeit in allen Altersstufen.

 

Kinder
erleben in der Kinderkirche und in der Kindergruppe, dass ihnen kleine überschaubare Aufgaben zugetraut werden (Opfer einsammeln und zählen, Folien auflegen, Material verwalten, ...). In gemeinsamen Projekten erleben sie, dass sie in dieser Welt und Gesellschaft etwas verändern können (Orangen-Verkauf für Weltdienst ...).

Konfirmanden
erleben im Gemeindepraktikum konkrete Lebensräume, in denen Christen ihre Gaben einbringen und entfalten. Für einen überschaubaren Zeitraum arbeiten sie in einem Bereich konkret mit. Ihnen wird angeboten, im Helferstatus bei Projekten und Gruppen mitzuarbeiten. Bei Patenschafts-Modellen erfahren sie, dass sie wichtig sind.

Jugendliche
erleben in den Gruppen, Projekten und offenen Angeboten, dass sie gefragt sind. Partizipation ist ein Grundanliegen evangelischer Jugendarbeit. Sie bestimmen nicht nur das Programm mit, sie übernehmen auch für überschaubare Bereiche Verantwortung. In Projekten und Aktionen können sie sich als wichtige Glieder eines Ganzen erkennen.

Junge Erwachsene
wollen Verantwortung übernehmen. "Karriere" muss auch in der christlichen Gemeinde möglich sein. Vertrauensvolle Delegation, freundschaftliche Begleitung und Klärung der Kompetenzen sind entscheidende Faktoren. Sie erleben in der Gemeinde, dass wir mit ihren Stärken arbeiten.

Erwachsene
engagieren sich in Leitungsaufgaben (Leitungskreis, Kirchengemeiderat, Spartenverantwortung ...) oder in überschaubaren Projekten (Konfirmandenarbeit, Kinderbibelwochen ...).

Die Gewinnung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lebt
- von "offenen Türen" (Mitarbeit von zeitlich überschaubaren Projekten, Helferstrukturen, Schnupperkurse ...)
- von verbindlicher Mitarbeit (Verpflichtung für eine bestimmte Zeit, Delegation von Aufgaben ...)
- von Mitarbeiterpflege (Mitarbeitergemeinschaft als Lebensraum, Einsetzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mentoring, Ausstattung mit Material, Schulungsangebote, Zeichen der Wertschätzung ...)
- von Entfalltungsmöglichkeiten (unterschiedliche Gaben, Karriere ...)
- und vor allem von Verantwortlichen, die dies pflegen und gestalten.

Hans Veit

(Quelle: Ehrenamtliche fördern; ejw-Praxis-Hilfen 1; Herausgeber: Peter Neumann; 2. Auflage 1997; buch und musik, Buchhandlung und Verlag des ejw GmbH, 70563 Stuttgart)

Ulrich Bohlken / Hans Veit | 21.05.2002


Creative Commons LicenseDie hier dargestellten Inhalte sind unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Ullis Materialbörse - www.stoebern.istcool.de
© 2009 - Jegliche kommerzielle Verwertung bedarf der Zustimmung!