Anteilnahme

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Erkundigen wir uns, meine Freunde;
Jeder ist doch froh, wenn man Anteil nimmt.
Ganz egal, ob er groß oder klein, dick oder dünn,
berühmt oder unbekannt ist.
Wir brauchen, dass mal jemand kommt und nach uns fragt.
Nicht wahr?

Denn nach den meisten Menschen fragt doch kein Mensch.
Viele blühen richtig auf wie ein Honigkuchenpferd,
wenn man sie fragt, was sie denn so machen.
Und da können sie mir sagen was sie wollen,
alle Menschen werden im Augenblick ganz andere Menschen, wenn sie merken,
da ist plötzlich jemand, der oder die sich für das, was ich so mache, interessiert.

Plötzlich sieht der Tag völlig anders aus, viel heller, obwohl es regnet.
Weil man auf einmal von sich erzählen darf.

Und dann muss man einfach zuhören.
Das ist übrigens das Wichtigste.
Zuhören können, den anderen einfach mal alles erklären lassen.

Ich habe das regelrecht üben müssen, muss ich zugeben.
Man hört sich ja auch gern selbst reden.
Besonders Künstler.

Aber jetzt ist mal der oder die andere dran.
Und der ist ganz überrascht, endlich hört ihm mal jemand zu.
„Das hab‘ ich ja noch nie oder höchst selten erlebt.“

Ich lasse mir oft von Leuten ihren Beruf haarklein erklären, obwohl ich gar nichts davon verstehe.
Aber der andere erzählt mir dabei sein ganzes Leben.
Und ich sehe, wie er immer leidenschaftlicher wird.
Vor einer halben Stunde war er noch apathisch und verbittert, und seine kleine Frau saß ganz schüchtern neben ihm.
Und jetzt sind beide nicht mehr zu bremsen, und sie erzählen und erklären und beschreiben und machen und tun, bloß weil jemand gesagt hat:
„Wie geht’s Ihnen?“ und „Was machen Sie? Erzählen Sie doch mal.“

Sie müssen das auch mal machen.
Wenn sie wieder einmal demnächst in Gesellschaft sind, oder egal wo, gehen Sie einfach auf den Stillsten und die Schüchternste zu, fragen Sie, was beide so machen, dann lassen Sie sie erzählen.

Geben Sie den Menschen ihre Bedeutung zurück!

Hans Dieter Hüsch

Initiative zum Kirchenjahr ANDERE ZEITEN E.V. www.anderezeiten.de

der ANDERE ADVENT | 2001/02