Baffa Baffa

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dient zur Simulation des Verstehens sozialer Kulturen und deren typischen Handlungs- und Rollenmustern.
Es wurde ursprünglich für die Amerikanische Armee entwickelt, für die Schulung von Agenten und Soldaten, die sich in fremden Kulturen möglichst angepasst und unauffällig verhalten sollen. Es kann und wird aber auch eingesetzt, um verschiedene Kulturen und deren Normen und Verhaltensmuster zum Thema zu machen (z.B. in der Schulausbildung, für Toleranz gegenüber Ausländern und anderen ethnischen Gruppierungen, bis hin zum Einsatz im Unternehmen, wenn zwei Organisationen oder Abteilungen innerhalb eines Unternehmens fusionieren und unterschiedliche Organisationskulturen aufeinandertreffen).

Es werden zu diesem Zweck zwei Gruppen gebildet (25-50 Spieler pro Gruppe; Spieldauer ca. 3-5 Stunden). Die so gebildeten Gruppen (Alpha und Beta Kultur) erlernen in einer ersten Phase ihre spezifische Sprache, die Art und Weise ihrer sozialen Interaktion und die Rollen mit den entsprechenden Funktionen innerhalb der Gesellschaft.
Eine Reihe von komplexen Regeln stellt sicher, dass sich die beiden Kulturen sehr stark voneinander unterscheiden.
Die Alpha Kultur zeichnet sich u.a. durch einen sehr freundlichen und persönlichen Umgang der Menschen miteinander aus, Alphas „genießen das Leben“, spielen mit Karten nur zum Spaß, halten bei Gesprächen Körperkontakt, können normale Umgangssprache verwenden, haben aber sehr differenzierte soziale Regeln und Rituale, sind streng patriarchalisch organisiert usw.
In der Beta Kultur hingegen sind alle Personen gleichgestellt, haben aber sehr leistungsorientierte Aufgaben zu erfüllen (Handel mit Karten), besitzen keine Zeit für persönliche Beziehungen und Gespräche, verwenden eine reduzierte künstliche Sprache usw.
Durch diese Konstruktion von handlungsrelevanter Wirklichkeit laufen die Lebensprozesse in den beiden Kulturen vollkommen unterschiedlich ab, was das Verständnis der jeweils anderen Gesellschaft später zu einer schweren Aufgabe macht. In der zweiten Spielphase, wenn die Regeln eingeübt sind, beginnt ein Besucher*innenaustausch zwischen den Kulturen. Besucher*innen dürfen sich eine Zeit lang in der anderen Kultur aufhalten, Erfahrungen sammeln und das Erlebte der eigenen Gruppe vermitteln.
Ziel ist es u.a., einen „Kulturschock“ zu simulieren, das Verständnis von sozialen Normen und Verhaltensweisen zu entwickeln, und die Fähigkeit zu erlangen, sich anderen sozialen Interaktionsmustern so gut wie möglich anzupassen. Damit wird den Teilnehmern aber auch die soziale Konstruktion von Realität und die Funktion von Regeln und Normen als Ordnungsparameter gelebter Handlungsrealität deutlich. Im Debrief kann dann besprochen werden, welche impliziten Normen, Machtstrukturen, Wertsysteme usw. den eigenen realisierten Handlungsmustern zugrunde liegen. Es kann u.a. auch gelernt werden, andere „fremde“ Prozesse und Musterbildungen zu beschreiben, ohne diese gleich zu be- bzw. abzuwerten. Damit kann Respekt und Toleranz gegenüber dem „Anderssein“ entwickelt werden und Strategien für den Umgang mit eigener Unsicherheit in zunächst unverständlichen sozialen Prozessen erworben werden.

Spielbeschreibung:
Die Teilnehmenden werden in zwei Gruppen aufgeteilt und in ihre Gewohnheiten eingeführt. Sie müssen ihre Kulturen teilweise einüben. Dann beginnt zwischen den Kulturen der Austausch.
Wie zum Schüleraustausch werden je 1-3 Personen in die andere Kultur geschickt. Dort erleben sie ca. 7 Minuten die fremden Gewohnheiten. Sie sollen versuchen, so viel wie möglich über die Werte und Gewohnheiten und das Funktionieren der anderen Kultur herauszufinden ohne Fragen zu stellen oder Gespräche über die fremde Kultur führen zu dürfen. In der eigenen Gruppe erzählen sie, was sie herausgefunden haben. Außerdem wird ein Plan für die nächste Austauschrunde gemacht.

Von der Spielleitung muss bereitgestellt werden:

Für die Alpha-Kultur: Für die Beta-Kultur:
• 2-3 Skatkarten-Spiele • Spielregeln
• Spielregeln • Karten oder Papierschnipsel in
6 Farben, nummeriert von 1-7
• 1 leere Karte pro Teilnehmendem • Notizpapier und Stifte
• Notizpapier und Stifte

Räume:
Es sind zwei von einander getrennte, aber nicht zu weit von einander entfernte Räume nötig.

Spielleitung:
Für die Spielleitung sind zwei Personen nötig. Jede Person ist für eine Kultur zuständig.


Kurzablauf:
Einführung in der Großgruppe, Erklärung in den Kulturen

1. Austauschrunde
Reflexion in den Kulturen

2. Austauschrunde
Reflexion in den Kulturen

3. Austauschrunde mit anschließender Reflexion
(jeder sollte mal am Austausch teilgenommen haben)

Reflexion in der Großgruppe: Beta stellt vor, was sie über Alpha wissen.
Alpha stellt die eigene Kultur vor.
Alpha erklärt, was sie über Beta wissen.
Beta stellt ihre Kultur vor.

Abschlussreflexion

Anzahl der Besucher*innen*innen oder Austauschschüler*innen
Ab 6 Pers. pro Kultur = 1-2 Besucher*innen
Ab 10 Pers. pro Kultur = 2-3 Besucher*innen
Ab 16 Pers pro Kultur = 3-4 Besucher*innen


Die Regeln der Alpha-Kultur

1. Wesen der Kultur
Die Menschen in der Alpha-Kultur sind sehr freundlich und sanft. Freundschaften schließen und pflegen – das geht ihnen über alles. Allerdings darf solche Freundschaft nur in einem System ziemlich strenger Regeln stattfinden (s.u.) Alphas ehren und respektieren ältere Menschen. Frauen gelten als Eigentum ihres Mannes.

2. Handel und Ausstattung
Jedes Gruppenmitglied erhält von dem / der Ältesten in der Gruppe sechs Skatkarten, um damit Tauschgeschäfte zu machen.
Das geht so: Jeder legt eine Karte mit der Rückseite nach oben auf einem Tisch oder Stuhl ab. Wenn beide Karten daliegen, wird nachgesehen: Wer den niedrigsten Wert gelegt hat, gewinnt beide Karten. Wer keine Karten mehr hat, darf sich von dem / der Ältesten bis zu sechs neue Karten umsonst abholen.

3. Regeln guten Verhaltens
Bevor Geschäfte gemacht werden, fangen die Partner*innen ein kleines Gespräch an (z.B. über Filme, Sport, das Wetter, Bekannte und Verwandte …).
Gerne macht man Witze und lacht.
Auch nach dem Handel hält man noch mal einen Schwatz. Dann erst geht man zu einem/r neuen Partner*innen.
Während dem Tauschgeschäft berühren sich die Partner*innen mindestens einmal. Sich die Hand zu geben, gilt jedoch als ein Mittel, sich die Leute auf Abstand zu halten.

Jedes Gruppenmitglied bekommt eine Karteikarte. Nach erfolgreichem Tausch wird diese vom/n Partner*innen signiert. Fand das Gespräch nach den vorliegenden Regeln statt, unterschreibt man die Karte mit den Anfangsbuchstaben des eigenen Namens. Wurden die Regeln nach dem eigenen Empfinden verletzt, unterschreibt man mit Zahlen anstatt mit Buchstaben.

Frauen werden stets von Männern angesprochen, nie umgekehrt. Frauen dürfen Männern nur stumme Zeichen geben. Wurden sie zuerst angesprochen, dürfen sie auch reden. Das gilt nur, wenn die Karte der Männer von dem / der Ältesten unterschrieben wurde. Sonst muss der Handel stumm statt finden. Frauen dürfen Frauen ansprechen.

Bei einem Geschäft mit dem / der Ältesten gewinnt stets der / die Älteste, ganz gleich wie die Karten liegen.

Im Laufe des Spiels sollte nach Möglichkeit mit allen Gruppenmitgliedern einmal gehandelt werden.

Wer gegen die Regeln verstößt, wird bestraft. Dies geschieht durch Hinausführen aus dem Raum, oder durch ein Handelsverbot. Die Strafen gelten für die laufende Runde.

Besucher*innen dürfen keine Frage stellen!

Es ist absolut verboten, diese Regeln an die andere Kultur zu verraten!


Die Regeln der Beta Kultur

1. Wesen der Kultur
Die Menschen der Beta Kultur arbeiten hart, um durch Kartentausch möglichst viele Punkte für sich selbst zu erzielen.

2. Handel und Regeln
Jedes Beta-Mitglied bekommt am Anfang von der Bank zehn nummerierte Karten in sechs verschiedenen Farben. Durch gezielten Tausch soll jeder möglichst viele Punkte sammeln. Dabei sind die folgenden Regeln zu beachten:

Es ist untersagt, sich zu berühren.

Jede der Karten hat zunächst keinen Wert. Hat man durch Tausch aber eine zusammenhängende Zahlenreihe von 1-7 in der gleichen Farbe zusammen, dann gelten alle Karten dieser Reihe nach ihrem Nennwert.
Dieser Wert kann dann bei der Bank gutgeschrieben werden, dann werden alle Karten gegen einen Satz neu gemischter Karten eingetauscht. Wenn eine Zahlenreihe in einer Farbe von 1-7 erreicht hat ist und bei der Bank abgegeben wird, zählen auch alle kürzeren Zahlenreihen einer anderen Farbe (z.B. blau 4-6) mit.

Die Karten sind stets in der Hand versteckt zu halten. Nur die zum Eintausch angebotenen werden offen gezeigt.

Im Betaraum ist es verboten, eine andere Sprache als die Beta-Sprache zu gebrauchen. (Natürlich nicht in der Reflexionsphase)

3. Die Beta-Sprache
„Ja“ = berühren des Brustkorbs mit dem Kinn.

„Nein“ = Hochheben beider Ellenbogen, je höher, desto entschiedener das Nein.

„Wiederholen“ = waagerecht ausgestreckte Daumen bei geballter Faust.

Farben werden durch die beiden Anfangsbuchstaben ausgedrückt (blau – bl; rot – ro; gelb – ge; …). Beim Handeln werden die Farben zuerst genannt.

Die Zahlen werden immer nach der Farbe genannt und aus den Initialen des Sprechenden gebildet. Dahinter wird ein „a“ gehängt.
Beispiele:

Bruno Fischer möchte eine Karte mit der Nummer 4
Er sagt: ro Ba Fa Ba Fa
Michael Müller möchte eine blaue 3
Er sagt: bl Ma Ma Ma
Anette Vogel möchte eine gelbe 7
Sie sagt: ge A Va A Va A Va A

Achtung: In der Beta-Kultur gilt es als Gipfel der Dummheit und Unanständigkeit, die Silben beim Nennen von Zahlen mit den Fingern abzuzählen.

Gehandelt wird wie folgt:
Als Einleitung zwinkern sich die Partner*innen ohne dabei zu lächeln rasch hinter einander zu. Dies symbolisiert, dass jeder den anderen als Mitglied der Erwerbsgesellschaft anerkennt. Wer nicht zurückzwinkert, kann auch kein GeschäftsPartner*innen werden. Die Partner*innen heben danach jene Karten hoch, die sie eintauschen wollen, und geben in Beta-Sprache bekannt, was sie dafür haben wollen.
Sie reden also stets davon, was sie haben wollen, niemals davon, was sie anbieten.
Bei Beendigung der Verhandlungen zeigt man dem/r Partner*innen das Kinn.

Es ist absolut verboten, diese Regeln an die andere Kultur zu verraten!