Das Geschenk

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Stell Dir vor, Du bekommst ein Geschenk.
Dieses Geschenk ist eingepackt in einer alten Tageszeitung.
Es sieht ziemlich billig aus, so wie es verpackt ist.
Ob da was von Wert drin ist?
Du packst es aus.
Im Paket sind noch mehr Zeitungen und zwischen den Zeitungen entdeckst Du
eine kleine, unscheinbare Kerze; so eine, wie man sie zu Weihnachten überall ganz billig bekommen kann.
Danke. Sagst Du. Nicht gerade überschwänglich.
Du betrachtest die Kerze.
Auf der Kerze entdeckst Du ein Symbol. Das Kugelkreuz.

Zuhause stellst Du die Kerze ins Regal. Es klebt an der Unterseite noch ein Stück der Zeitung.
Nicht gerade ein sensationelles Geschenk, denkst Du.

Als Jesus geboren wurde, da war das auch keine Sensation.
Seine Eltern waren ziemlich arm dran.
Kein Geld sich ein Quartier zu leisten, und das in ihrer Situation.
Gott schickt sich an, Mensch zu werden.
Wie die Kerze in der alten Tageszeitung, dem Symbol für Alltägliches und Vergängliches,
so kommt Gott in die Welt.
Er kommt in den Alltag, er kommt ganz alltäglich zur Welt.
Aber schon von Anfang an ist sein Zweck festgelegt, wie der der Kerze.
Er muss vergehen, sich verzehren und seine Liebe in die Welt hinausstrahlen.
Die Kerze ist zu einem Symbol der Hoffnung geworden.
Hoffnung, für die Hoffnungslosen, für die Traurigen, für die Enttäuschten.

Die Kerze mit dem Kugelkreuz in der Zeitung ist der Lebenslauf Gottes auf Erden!
Unscheinbar und im Alltäglichen fängt Gott an.
Das Kreuz wird sein Verhängnis und sein größter Sieg zugleich.
Das Ende hat seinen Schrecken verloren, der Tod schreckt uns nicht mehr.
Indem Gott sich verzehrte, sich hingab, gab er sich in die Hände des Todes.
Der Tod hatte Macht über Gott, doch nicht von Dauer.
Der Tod musste ihn freigeben, ihn, die Quelle allen Lebens.

Das Kreuz als Zeichen der Folter und der Tod als Symbol für das Unausweichliche, verlieren nicht an Schrecken.
Doch verlieren sie an Macht und Endgültigkeit.

Mit dem Licht der Kerze erinnern wir uns dieser Ereignisse und hoffen auf die
Erfüllung seiner Zusage: – der Auferstehung aller. Sein Geschenk an die Welt!

Diese Hoffnung drückt die Kerze mit dem Kugelkreuz aus, das der Sieg über den Tod die ganze Welt umspannen wird.
Dass das Licht des Lebens erstrahlen wird, und wir uns alle daran erfreuen können.

Lasst uns in diesen Tagen daran denken, wie alles begann. Im Alltag. In Armut. In unscheinbarer Kleinheit.
Ohne jede Sensation.

Ulrich Bohlken | 01.11.2008